Es gibt Geschichten aus der Spielebranche, die einem den Magen umdrehen und gleichzeitig ein bisschen warm ums Herz machen. Diese hier ist so eine. Harvey Smith, damals Studio Director bei Arkane Austin, und Produktionschef Ben Horne haben erzählt, wie das letzte große Update für Redfall zustande kam – nachdem Microsoft ihr Studio bereits dichtgemacht hatte.
Was passierte nach der Schließung von Arkane Austin?
Kurzer Rückblick: Im Mai 2024 schloss Microsoft im Zuge der Bethesda-Studioschließungen gleich mehrere Teams, darunter Arkane Austin und Tango Gameworks. Für Redfall bedeutete das eigentlich das Ende – bis auf ein Detail: In der Pipeline lag bereits Update 1.4, weitgehend fertig, aber unveröffentlicht.
Smith ging daraufhin auf Microsoft zu. Sein Satz, den er selbst wiedergibt, sagt eigentlich alles über die Situation: „Ich weiß, dass wir hier nicht mehr arbeiten, aber können wir das bitte trotzdem veröffentlichen?“ Microsoft stimmte zu. Sechs oder sieben Teammitglieder unterschrieben Formulare, um noch einmal ins Gebäude zu dürfen, und brachten den Patch zu Ende.
Was steckte in Redfalls finalem Update?
Es war ausgerechnet das Update, auf das die Community seit dem Launch gewartet hatte:
- Offline-Modus – das mit Abstand meistgeforderte Feature, weil Redfall zum Start selbst im Solospiel eine dauerhafte Online-Verbindung verlangte
- Pausenfunktion im Singleplayer, die vorher schlicht fehlte
- Eine neue Waffe und mehrere überarbeitete Systeme
- DLSS 3-Unterstützung auf dem PC
Smith bewertet 1.4 rückblickend als „gewaltiges Upgrade“ und sagt einen Satz, der ziemlich bitter nachhallt: Hätte man mit dieser Version gestartet und von dort weitergebaut, wäre die Geschichte womöglich anders verlaufen. Die Schuld schiebt er dabei nicht allein Microsoft zu – „Wir sind in dieser Games-as-a-Service-Sache mitgerissen worden“, räumt er ein.
Warum kommt das ausgerechnet jetzt wieder hoch?
Weil die beiden zurück sind. Smith und Horne haben ihr Schweigen nach zwei Jahren beendet und ein neues Studio vorgestellt: Black Pony Immersive, unabhängig, 26 Personen stark, bereits im August 2025 gegründet und seither still zusammengestellt. Im Kern ist es das alte Austin-Team, versammelt um ein einziges Projekt. Die Redfall-Aussagen stammen aus der Interviewrunde rund um diese Enthüllung; Teile der Zitate hatte Smith zuvor schon im Podcast „My Perfect Console“ von Simon Parkin erzählt.
Aus unserer Sicht ist das die eigentliche Pointe: Ein Team, das für einen der härtesten Fehlschläge der jüngeren Xbox-Geschichte geradestehen musste, hat sich nicht zerstreut, sondern wieder zusammengefunden. Arkane steht seit Dishonored und Prey für eine ganz bestimmte Sorte Immersive Sim – Spiele, die dem Spieler zutrauen, selbst auf Ideen zu kommen. Redfall war genau das nicht, und wer die Berichte aus der Entwicklungszeit gelesen hat, weiß, dass das Team damit von Anfang an gehadert hat. Dass dieselben Leute jetzt unabhängig und ohne Live-Service-Vorgaben weitermachen, ist die wohl beste Nachricht, die man aus dieser Geschichte ziehen kann.
Quelle: VGC, PC Gamer, Gamereactor, Wccftech
Hättet ihr Redfall eine zweite Chance gegeben, wenn es so gestartet wäre? Diskutiert mit uns in den Kommentaren!















